Titel

Zur 30-jährigen Geschichte des Hauses

Standort-Entscheidung/Auftraggeber
1973, auf einem Kongress, versprach SED-Chef Erich Honecker den Bauern der DDR ein lukratives Ferienhotel in landschaftlich schöner Gegend. Im März 1974 beschloss der Ministerrat der DDR den Bau dieses Ferien- und Erholungsheimes. Die Standort-Wahl war auf den 750 Meter hohen Suhler Ringberg gefallen.
Die Lage an dieser exponierten Stelle im Landschaftsschutzgebiet Thüringer Wald war nicht unumstritten. Die Abteilung Landeskultur des Rates des Bezirkes Suhl und der  Staatliche Forstwirtschaftsbetrieb Suhl lehnten diesen Hotel-Standort in ihren Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange zunächst ab, u. a. wegen des Flächenbedarfs an Wald von ca. 6 Hektar (davon 1,6 Hektar Bebauung). Sie plädierten für den Bau auf der „Himmelreich-Wiese“ unterhalb der Bergkuppe und näher zur Stadt.
Planträger für das „Ringberghaus“ wurde das DDR-Ministerium für Landwirtschaft und Nahrungsgüterwirtschaft, Investträger der Zentralvorstand der Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB).

Angaben zum Objekt/ Investitionsaufwand/ Finanzierung
Für den Bau des Bauernhotels auf dem Ringberg wurde mit einigen Änderungen das gleiche Projekt verwendet wie für die FDGB-Erholungsheime „Fritz Weineck“ in Oberhof  (inzwischen abgerissen) und in Oberwiesenthal.
Der Investitionsaufwand für das Ringberghaus war mit 60,8 Mio Mark geplant, davon entfielen allerdings nur 37,6  Mio Mark auf das Ferienobjekt selbst. Die restlichen Mittel flossen in standortbedingte Aufwendungen, Erschließung und Folgemaßnahmen, denn der ausgewählte Standort lag weit außerhalb aller Versorgungsbereiche (z. B.Wasser, Elektro, Verkehrsanbindung).
Bei der Erschließung (wozu die Sprengung von 12 Meter felsiger Bergkuppe gehörte) und der Bauausführung wirkten Landbaukombinate aus der gesamten DDR mit. Zur Finanzierung herangezogen wurden Landwirtschaftliche und Gärtnerische Produktionsgenossenschaften (LPG, GPG) sowie Volkseigene Güter (VEG) ebenso wie der zentrale Hilfs- und Aufbaufonds der VdgB.
Geplant wurden 640 Hotelbetten (zuzügl. ca. 200 Aufbettungen), über 800 Gaststättenplätze, zusätzlich entstand auf Anregung des Suhler Aufbaustabes ein attraktives Turm-Cafe als architektonisch interessanter Abschluss des Gleitkerns. 310 Mitarbeiter sollten im neuen  Ferienheim arbeiten.
Als Freizeitmöglichkeiten für die Gäste waren u. a. auch ein Schwimmbad und eine Reittouristik-Station vorgesehen, im Gespräch war ebenfalls eine Seilbahn in die Stadt. Allerdings wurden diese Vorhaben nicht ausgeführt. Die Reitstation wurde zu einem Wohnheim für Beschäftigte umprojektiert.
Die Bauzeit war von 1975 bis Januar 1978 konzipiert. Der ursprüngliche Eröffnungstermin konnte jedoch aufgrund der schwierigen Erschließung und komplizierter Arbeitskräfte- und Materialsituation nicht eingehalten werden.

Eröffnung 1979/ Betrieb bis 1990
Im Mai 1979 nahmen Bauarbeiter als erste Gäste das Ringberghaus in Besitz. Sie und ihre Familien testeten das Ferienheim auf eventuelle Unzulänglichkeiten. Im Juni 1979 reisten dann die ersten Bauern und Werktätigen der sozialistischen Landwirtschaft an. Die Eröffnung des Ringberghauses fand im Gegensatz zur sonstigen Darstellung erfolgreicher SED-Sozialpolitik in den Medien keine bzw. nur verhaltene Widerspiegelung. Der damaligen SED-Bezirkszeitung  Freies Wort war das Ereignis weder eine Nachricht noch Fotos wert.  Zeitzeugen erinnern sich, dass die Parteiführung des Bezirkes Suhl aufgrund von Protesten der Bevölkerung wegen des Eingriffs in Natur und Landschaft eine Informationssperre verhängt hatte.
Das Ringberghaus war für damalige Verhältnisse ein außerordentlich attraktives Ferienobjekt in bester landschaftlicher Lage mit hoher Ausstattung, gediegener gastronomischer Versorgung in mehreren Restaurants, mit Dienstleistungs- und Freizeitangeboten. Der bekannte Volksmusikant Herbert Roth, der auf dem Ringberg zahlreiche Veranstaltungen durchführte, widmete dem Haus sogar eine eigene Komposition. Noch heute heißt der große Saal „ Herbert Roth“.
Zahlreiche Künstler der Region wie Elfriede Raphael (Suhl), Wolfgang Rommel (Kühndorf), Waldo Dörsch (Unterweid) oder Walter und Reinhard Berkes (Kaltennordheim) hatten Aufträge zur Ausgestaltung des Hotels erhalten. (Diese Arbeiten wurden 2006 im Auftrag des neuen Eigentümers restauriert und fanden wieder repräsentative Plätze im jetzigen Hotel.)
Im Mai 1987 eröffnete die Bauern-Galerie im Haus, um die Bauern an Kunst heranzuführen. In der Sammlung befinden sich u. a. Willi Sittes „Landsauna“, Gerd Mackensens  „Roter Wagen, gestürzt“ oder  Wolfgang Mattheuers „Hinter den sieben Bergen“. Die gesamte Sammlung ging im August 1994 in das Eigentum des Freistaates Thüringen über und befindet sich seither in Obhut der Staatlichen Museen Meiningen.
Jährlich verbrachten ca. 20 000 Bauern und Werktätige der sozialistischen Landwirtschaft angenehme Urlaubstage im Ringberghaus, das im Volksmund sehr bald liebevoll „Runkelburg“ genannt wurde. Dieser Name stand für die exponierte Lage und die Gäste, die vorwiegend aus landwirtschaftlichen Betrieben kamen.  
1990 begannen für das Ferienheim turbulente Zeiten.

Treuhänderschaft/ Privatisierung, 1990 bis 2002
Von 1990 bis 1994 stand das Ringberghaus unter Treuhandverwaltung. Nach der politischen Wende und der Auflösung der VdgB konnte jedermann Übernachtung, Urlaub oder Tagungen im Haus buchen. Bis 1994 erfolgten kaum Investitionen, das Hotel entsprach nicht den gestiegenen Anforderungen und üblichen Standards.
1994 entschied deshalb die Treuhand, das Haus in die Hände eines privaten Investors zu geben.  Die GbR Steffen Winkelhaus/ Elga Zähler aus Wetzlar erhielt Anfang Juli 1994 den Zuschlag. Rund 30 Millionen DM sollten innerhalb eines Jahres investiert werden. Zunächst  erfolgte Mitte Juli ein großer Ausverkauf des Inventars, alles – von Federbetten, Kaffeetassen, Bestecks bis hin zu Bettwäsche, Tischtüchern und Lampen - wurde feilgeboten, der Verkaufserlös betrug 350 000 DM. Die meisten Auftrags-Kunstwerke waren zuvor glücklicherweise von beherzten Mitarbeitern des Hauses im Luftschutzkeller in Sicherheit gebracht worden, weshalb sie nicht mit „verramscht“ wurden.
Das Ringberghaus wurde aufgrund der Umbaumaßnahmen für mehrere Monate geschlossen. Künftig sollte es als 4-Sterne „Holiday Inn“ firmieren. Die so genannten Investoren Winkelhaus/Zähler erwiesen sich dabei als großer Flop. Viele Bauunternehmen und Händler der Region blieben auf offenen Rechnungen sitzen. Mit Unterstützung von Banken wurde 1996 die Ringberg Hotel Betriebsgesellschaft mbH (RHB) gegründet, wodurch die dauerhafte Schließung des Hauses verhindert werden konnte. Gezielt erfolgten dringende Investitionen. So wurden beispielsweise das Schwimmbad und der Saunabereich fertig gestellt, Zimmer und Restaurants neu gestaltet. Unumgänglich war 1998 aufgrund von Brandschutzauflagen die Schließung des beliebten Turm-Cafes.

Zwangsversteigerung/ Neuer Eigentümer / Wirtschaftsfaktor, 2002 bis 2009
2002 stand das Haus auf Drängen der Banken zur Versteigerung. Wolfgang F. Kanig, bislang eingebunden als Finanz- und Unternehmensberater, unterbreitete das entscheidende Angebot. Seit 2005 leitet er selbst das Ringberg Hotel, das inzwischen ein 3-Sterne Superior-Haus ist. Seit 2002 wurden 11 Millionen Euro in Kauf, Sanierung und Umbau investiert, aus den nunmehr 290 Zimmern und Suiten haben die Gäste rundum schöne Aussichten in die Thüringer Bergwelt.
Zum Hotel gehören Restaurants, Terrassen, Schwimmbad, Sauna, Fitnessräume, Kinderspielbereiche, Ausleihstationen für Fahrräder oder Skier. An die 100 Mitarbeiter und Auszubildende sorgen sich um das Wohl der Gäste.
Mit  über 60 Prozent Auslastung gehört das Hotel zu den Spitzenreitern in Thüringen. In Suhl realisiert es 54 Prozent aller touristischen Übernachtungen und ist damit ein wichtiger Wirtschaftsfaktor der Stadt.
Das Ringberg Hotel hat sich sowohl als Tagungs- als auch als Urlauber- und kinderfreundliches Familienhotel über Deutschland hinaus einen guten Namen gemacht. Zahlreiche Auszeichnungen und Zertifikate dokumentieren den hohen Qualitäts- und Serviceanspruch des Hauses.
127 Lehrlinge wurden seit Gründung der RHB (Ringberg Hotelbetriebsgesellschaft) 1996/97 in den verschiedenen gastronomischen Berufen ausgebildet.
Zu den Gästen gehören immer wieder vormalige Genossenschaftsbauern der DDR, die kommen, um sich ein Bild darüber zu machen, was aus dem einstigen Bauernhotel geworden ist.


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